SBBS Gera- Liebschwitz

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Thüringens umfangreichste Gehölzsammlung:

das Schul-Arboretum in Gera-Liebschwitz

 

 

 

 

Siegfried Holzschuher

Eine außergewöhnlich arten- und sortenreiche Gehölzsammlung ist auf dem Gelände der Staatlichen Berufsbildenden Schule in Gera-Liebschwitz entstanden, hier zum Beispiel: Chitalpa tashkentensis (Bild 1) Die Auszubildenden in verschiedenen gärtnerischen Berufen finden hier ein überaus anschauliches Sortiment zur Schulung ihrer Pflanzenkenntnis vor. Angeregt wurde das Projekt von einem Aufruf der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft vom Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, an geeigneten Ausbildungsstätten Gehölzsammlungen zu Lehr- und Ausbildungszwecken anzulegen.

Inzwischen geht die Anlage weit über dieses Ziel hinaus, sie ist zu einem bemerkenswerten Standort zahlreicher dendrologischer Raritäten geworden und ist als Anziehungspunkt für Spezialisten weit über die Grenzen Ostthüringens hinaus bekannt.

In nur 6 Jahren zur umfangreichsten Gehölzsammlung in Thüringen

Ein erster Versuch für einen gehölzkundlichen Lehrgarten gelang zwischen 1992 und 1996 an der inzwischen nicht mehr existierenden Grund- und Regelschule Wildetaube im Landkreis Greiz mit Pflanzung und Ausschilderung von 100 Gehölzen. Im Jahr 1999 wurde die Idee an der auch zum Landkreis Greiz gehörenden Staatlichen Berufsbildenden Schule Gera-Liebschwitz wieder aufgegriffen und in ein erstes Konzept gebracht. In die Außenanlagen mit vorhandenem Gehölzbestand wurden Neupflanzungen von Baum- und Straucharten aus allen gemäßigten Klimazonen, allerdings mit Schwerpunkt auf der Nordhalbkugel, geplant. Im Rahmen des Projektes entschied man sich, wie vielfach in Botanischen Gärten und Arboreten praktiziert, für die Anlage von zwei Spezialsammlungen. Zum einen ist es die Anpflanzung winterharter Vertreter der Eichen (Quercus spec.) und zum anderen eine Sammlung möglichst vieler Kulturformen von Ginkgo biloba, dem Mädchenhaar- oder Fächerblattbaum (Bild 2), der speziell in Thüringen durch Johann Wolfgang von Goethe eine lange Tradition besitzt.

Den ersten Pflanzungen gingen umfangreiche Recherchen und eine konzentrierte Partnersuche in Botanischen Gärten, Arboreten, Baumschulen und ähnlichen Einrichtungen voraus. Ohne fachliche und finanzielle Hilfe wäre ein Erfolg fraglich gewesen. Praktisch gesehen ruhte das Vorhaben auf drei Standbeinen: eigene Anzucht von Pflanzen im praktischen Unterricht, Tausch von Saat- und Pflanzmaterial mit gleich gearteten Einrichtungen und Ankauf von Sträuchern und Bäumen als Jungpflanzen, unterstützt durch zahlreiche Spenden (Sanitäts- und Gesundheitshaus Carqueville GmbH, Spedition Weise Inh. Jürgen Weise, Rotary Club Gera und Fa. Elektro-Giesler, Wildetaube, und vielen weiteren).

Im Herbst 2004 erklärte sich die Thüringer Finanzministerin Frau Birgit Dietzel (CDU) bereit, die Schirmherrschaft für das Arboretum zu übernehmen (Bild 3).

Im Herbst 1999 begannen die durch Schüler im Berufsvorbereitungsjahr ausgeführten Pflanzarbeiten. Als wertvolle Besonderheit wurden Eichenveredlungen, die aus der hessischen Eichenbaumschule Döhring in Ahnatal bei Kassel stammten, im Schulgarten aufgeschult. Parallel erfolgten Beschilderung und Katalogisierung der Gehölzsammlung. Eine erste Bestandsliste vom Sommer 2000 wies bereits 300 verschiedene Gehölzarten und -sorten auf. Der direkte Anlauf in führenden niederländischen Einzelhandelsbaumschulen in Boskop ließ die Zahl schnell auf 700 anwachsen. Eine Vielzahl internationaler Kontakte brachte der Besuch der Internationalen Pflanzenmesse 2001 in Essen. Bereits im Frühjahr 2002 traf erstes Pflanzenmaterial aus China und den USA ein. Aber auch in Deutschland wurden fruchtbare Partnerschaften entwickelt. Als Beispiele seien der Forstbotanische Garten Tharandt der TU Dresden, der Botanische Garten in Mönchengladbach, die Bayerische Landesversuchsanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim, das Forstarboretum Freiburg-Günterstal, die Botanischen Gärten der Friedrich-Schiller-Universität Jena und am Museum für Naturkunde der Stadt Gera sowie die Botanischen Gärten Berlin genannt.

 

Mit umfangreichen Gehölzpflanzungen im extrem trockenen Sommer 2003 wurde der Bestand auf 1000 Arten, Varietäten und Sorten erhöht. Davon gehörten bereits 100 der Gattung der Eichen (Quercus) und 25 der Art Ginkgo biloba an. Ein eigener Brunnen, der die Anlage seit 2004 mit Wasser aus 23 m Tiefe versorgt, hilft zukünftig die Wasserversorgung auch bei extremen Witterungsbedingungen abzusichern (Bild 4). Im Jahr 2006 erreichte die Gehölzsammlung der Staatlichen Berufsbildenden Schule Gera-Liebschwitz auf der zur Verfügung stehenden Fläche einen vorläufig endgültigen  Bestand von ca. 1406 Taxa. Damit übertrifft sie alle Thüringer Gehölzsammlungen: den Forstbotanischen Garten Wasungen mit ca. 1100, auch den Botanischen Garten Jena mit  ca. 1000 und das Arboretum Bad Langensalza mit ca. 130 Gehölzarten und -sorten. Eine dritte Spezialsammlung zur Gattung der Magnolien (Magnolia), der Königin der Blühgehölze, ist allerdings noch im Aufbau und soll zukünftig einen herausragenden Platz einnehmen (Bild 5).

Vielfalt und Raritäten im Schul-Arboretum

Die Staatliche Berufsbildende Schule Gera-Liebschwitz befindet sich im Tal der Weißen Elster am südlichen Stadtrand von Gera auf einer Fläche von ca. 3,5 Hektar. Durch die lockere Bebauung ergaben sich vielfältige Kleinklimate. Thermisch begünstigte Standorte ermöglichten, die Winterhärtezonen der gepflanzten Gehölze zum Teil erheblich auszudehnen. Normalerweise entspricht das Gelände der Winterhärtezone 6. Doch das teilweise günstige Kleinklima erlaubt Anpflanzungen bis Winterhärtezone 8a. Ohne jeden Winterschutz gedeihen z.B. Sequoia sempervirens (Zonen 79),

Quercus ilex (Zonen 67), Quercus crenata (Zonen 78). Die Angaben zu den Winterhärtezone wurden übernommen aus dem Koniferen-Atlas von van Gelderen/van Hoey Smith (1996).

Die gestalterischen Freiräume sind natürlich inmitten der Bebauung begrenzt, so wurde von der Anlage geografischer Quartiere Abstand genommen. Die anstehenden tiefgründigen Böden nahe der Flussaue wurden durch Aufschüttungen von Fundamentsaushub zum Teil zu komplizierten Pflanzplätzen. Ein verstärkter Bewässerungsaufwand ist erforderlich und wird durch die eigene Brunnenanlage ermöglicht.

 

Details zur Gehölzsammlung

Gesamtbestand:   1406 Arten und Sorten

davon

Laubgehölze:        1122 Arten und Sorten

Nadelgehölze:       284 Arten und Sorten

 

Übersicht zum Sammlungsumfang in den Gehölzgattungen:

Gattung

Arten/Sorten

Gattung

Arten/Sorten

Quercus

137

Pinus

47

Magnolia

120

Aesculus

25

Ginkgo

71

Sorbus

24

Abies

47

Picea

24

Pinus

47

Betula

20

Acer

45

Hamamelis

19

Cornus

38

Liquidambar

19

Sequoiadendron

10

Liriodendron

9

 

Die Anzahl der verschiedenen Riesenmammutbäume (Sequoiadendron spec.) versetzt selbst fachkundige Besucher in Erstaunen.

Als Besonderheiten der Sammlung sind folgende Arten unbedingt hervorzuheben:

-         Pseudotaxus chienii

-         Taxus baccata ’Lutea’

-         Pseudolarix amabilis

-         Torreya taxifolia

-         Pinus monophylla

-         Xanthoceras sorbifolium

 

Auffällige Farbvarianten machen die Sammlung interessant:

 

-         19 verschiedene Amberbäume (Liquidambar spec.) mit ihrer Färbung im Herbst holen einen Hauch von „Indian Summer“ auf das Schulgelände.

 

weitere bemerkenswerte Farbvarianten:

-         Aesculus carneaAureomarginata

-         Liquidambar styraciflua ‘Golden King’

-         Quercus cerrisArgenteovariegata

-         Ginkgo biloba ‘Pevé Maribo’

-         Pinus parviflora ‘Fukai’

-         Sequoiadendron giganteum ‘French Beauty’

-         Taxus baccata ‘Adpressa Aurea’

-         Picea pungens ‘Maigold’

 

Spezialsammlungen

Die Spezialsammlung Ginkgo entwickelte sich mit derzeit 71 verschiedenen Varietäten

zur umfangreichsten Sammlung dieser Gattung in Europa! Zurzeit sind im Bestand:

 

Ginkgo biloba

Ginkgo biloba 'Horizontalis'

Ginkgo biloba 'Santa Cruz'

Ginkgo biloba 'Anny`s Dwarf'

Ginkgo biloba 'Horizontalis'

Ginkgo biloba 'Saratoga'

Ginkgo biloba 'Aureovariegata'

Ginkgo biloba 'Jade`s Butterfly'

Ginkgo biloba 'Schloß Dyck'

Ginkgo biloba 'Autumn Gold'

Ginkgo biloba 'Katlan'

Ginkgo biloba 'Selection Select'

Ginkgo biloba 'Barabit`s Strada'

Ginkgo biloba 'King of Dongting'

Ginkgo biloba 'Shangri La'

Ginkgo biloba 'Barabits Nana'

Ginkgo biloba 'Kohout´s Pendula WB'

Ginkgo biloba 'Simon'

Ginkgo biloba 'Bergen op Zoom'

Ginkgo biloba 'Korinek'

Ginkgo biloba 'Sotaju'

Ginkgo biloba 'Busse'

Ginkgo biloba 'Lakeview'

Ginkgo biloba 'Sport Tit'

Ginkgo biloba 'Canopy'

Ginkgo biloba 'Luis'

Ginkgo biloba 'Thelma'

Ginkgo biloba 'Chase Manhatten'

Ginkgo biloba 'Magyar'

Ginkgo biloba 'Tit'

Ginkgo biloba 'Chichi-Icho'

Ginkgo biloba 'Marieke'

Ginkgo biloba 'Tit Variegated'

Ginkgo biloba 'Chotek'

Ginkgo biloba 'Marieke'

Ginkgo biloba 'Todd'

Ginkgo biloba 'David'

Ginkgo biloba 'Mayfield'

Ginkgo biloba 'Tremonia'

Ginkgo biloba 'Dila'

Ginkgo biloba 'Mutant Weeper'

Ginkgo biloba 'Troll'

Ginkgo biloba 'Elmwood WB'

Ginkgo biloba 'Nelleke'

Ginkgo biloba 'Tubifolia'

Ginkgo biloba 'Epiphylla'

Ginkgo biloba 'Ohazuki'

Ginkgo biloba 'Umbrella'

Ginkgo biloba 'Everton'

Ginkgo biloba 'Oktober Glory'

Ginkgo biloba 'Umbrella'

Ginkgo biloba 'Fairmont'

Ginkgo biloba 'Pendula'

Ginkgo biloba 'Variegata'

Ginkgo biloba 'Fastigiata'

Ginkgo biloba 'Pendula Gruga'

Ginkgo biloba 'Variegata Finger

Ginkgo biloba 'Globus'

Ginkgo biloba 'Pévé Lobo'

Ginkgo biloba 'Windover Gold'

Ginkgo biloba 'Globus Globolus'

Ginkgo biloba 'Pévé Maribo'

Ginkgo biloba 'Witches broom'

Ginkgo biloba 'Golden Girl'

Ginkgo biloba 'PNI 2720'

 

Ginkgo biloba 'Golden Globe'

Ginkgo biloba 'Pragense'

 

Ginkgo biloba 'Hayanari'

Ginkgo biloba 'Princeton Sentry'

 

Ginkgo biloba 'Heksenbezem Leiden'

Ginkgo biloba 'San Jose'

 

 

Im Vergleich dazu stehen die Baumschule M.M. Böhmer in Zundert (NL) mit 49 Ginkgo- Sorten, der M. Dieck Herrenkamper-Garten in Siedenburg mit 45 Ginkgo-Sorten und der Botanische Garten Mönchengladbach mit 17 Ginkgo-Sorten.

 

Die im Aufbau befindliche Spezialsammlung zu Magnolien (Magnolia) umfasst bereits jetzt 120 Arten und Sorten. Gezeigt wird der weltweit aktuellste Züchtungsstand mit bisher unbekannten Farbvarianten und Blütengrößen. Erreicht werden sollen ca. 150 Arten und Sorten.

 

Exemplarisch sollen hier nur einige bemerkenswerte Vertreter der Spezialsammlung Eichen (Quercus) genannt sein:

-         die Japanische Kaisereiche in 3 Sorten mit besonders großen Blättern (Quercus dentata 'Pinnatifida’, 'Carl-Ferris-Miller(Bild 6) und 'Adelaide’), im Jahr 2002 von der Eichenbaumschule Döring erstanden

-         die Heidelbeerblättrige Eiche (Quercus vaccinifolia), die strauchig wächst und eine Endhöhe von 1,5–2,0 Meter erreicht, 2003 aus Samen selbst angezogen

-         eine Stein-Eiche (Quercus ilex), im Jahr 2000 aus Samen von der Insel Mallorca angezogen, seit 2003 ohne Winterschutz im Freiland wachsend

 

Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung einer Gehölz-Spezialsammlung als Ort zur Erhaltung seltener und bedrohter Zuchtformen und damit der Erhaltung von wertvollem Kulturgut. Ein Beitrag dazu ist die Erhaltung genetisch alter Arten und Sorten durch Veredlung und Auspflanzung, z.B. von einer 200 Jahre alten Quercus petraea 'Mespilifolia’ aus einem ehemaligen Gutspark in der Nähe von Wenigenauma; der Veredlung einer 100 Jahre alten Aesculus flava aus dem Greizer Park und der Erhaltung eines einzigartigen Klons einer Quercus palustrisWindischleuba’ aus dem Park von Windischleuba bei Altenburg.

 

Lehrgarten und Spezialistentreff

Dem Fachlehrer der Berufsschule steht für die hier durchgeführte Lehrausbildung von Gärtnern im Garten- und Landschaftsbau, Zierpflanzenbau und für Floristen im Schul-Arboretum ein umfangreiches Pflanzenmaterial zur Verfügung, das mit Mannigfaltigkeit in der Natur und Mannigfaltigkeit durch Züchtung konfrontiert. Durch geschickte Auswahl für den Unterricht  lassen sich viele Themen anschaulich demonstrieren. Die praktische Mitarbeit der Schüler bei Anzucht und Pflege schafft neue Lernmöglichkeiten. Somit hat diese Sammlung eine große Bedeutung für den Schulstandort Gera-Liebschwitz in Ostthüringen bei der Ausbildung in Grünen Berufen.

 

Darüber hinaus wird die hochinteressante Sammlung durch öffentliche Führungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht.(Bild 7) Während die wertvolle Sammlung bekannter wird, entwickelt sie sich zunehmend zum Anziehungspunkt auch für Gehölz-Spezialisten, die hier ihren Erfahrungsaustausch pflegen und Pflanzenmaterial tauschen.

 

Literatur

Brickell, C. : Enzyklopädie der  Garten- und Zimmerpflanzen, Sonderausgabe, (1994)

 

Kelly, J./Hiller,J. : The Hillier Bäume und Sträucher, 1.Auflage, (1976)

 

Krüssmann, G. : Handbuch der Laubgehölze, Auflage, (1976)

 

Pardatscher, G. : Magnolien, (1995)

 

The Royal Horticaltur Society : Dumont´s große Pflanzenenzyklopädie, 1. Auflage, (1999)

 

van Gelderen, van Hoey Smith : Koniferen-Atlas, 3. Auflage, (1996)

 

 

Anschrift des Verfassers

Siegfried Holzschuher

Staatliche Berufsbildende Schule Gera- Liebschwitz

Zwickauer Straße 11

D-07551 Gera

 

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